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Got Ki?

Got Ki?

Letztes Wochenende war ich in Ruit, um meine C-Trainer-Lizenz zu verlängern. Auf dem Fortbildungsprogramm standen unterschiedliche praktische (z.B. Koshi nage bei Martin) und theoretische Themen – unter anderem ein Vortrag von Uli (Schümann) zum Thema Ki.

Wenn ich Uli richtig verstanden habe, dann war seine These, dass es sich bei Ki nicht um etwas Geheimnisvolles handelt, was sich irgendwo im All befindet und was wir „mit einem Kabel anzapfen können“. Ich glaube es ging ihm darum, das Thema des Ki zu entmystifizieren und somit auch etwas weg von Religion und Glaube zu führen. Mir wurde dabei bewusst, dass Ki etwas ist, worum ich mir bisher eher wenig Gedanken gemacht habe, obwohl ich ja sonst eher dazu neige, meinen Geist mit allen möglichen Gedankengängen zuzumüllen. Wie man in diesem Blog ja deutlich merkt… Uli hat da was angestoßen, und auch wenn ich nicht in allen Einzelheiten mit seinen Ideen übereinstimme, hat er mich doch prima zum Nachdenken gebracht und nach längerem Grübeln wurde mir klar, dass wir glaube ich doch in mehr Punkten einer Meinung sind, als ich erst dachte.

Ich schätze, dass es im Aikido wenige Dinge gibt, die so unterschiedlich interpretiert und benutzt werden, wie Ki. Manche sind der Meinung, in Ki würde zu viel hineininterpretiert, andere reden von Ki als wäre es etwas das Uke umhaut wenn man nur laut und kräftig genug ausatmet. Was ist meine eigene Interpretation von Ki?

Für mich persönlich besteht keinerlei Zweifel daran, dass es bei Ki um Energie geht.  So weit so gut. Nur dass Energie eben oft als etwas Esoterisches betrachtet wird und somit immer gleich den Touch von Abgehobenheit und Einbildung hat. Warum eigentlich? In vielen Bereichen unseres Lebens und Alltags haben wir Energie bereits als etwas absolut Handfestes akzeptiert, was physikalischen Regeln folgt und nichts mit Glauben zu tun hat. Elektrizität, Mikrowellenherde und Mobiltelefone sind völlig normal. Vor 200 Jahren wäre es aber noch absolut undenkbar gewesen, dass man mit einem Menschen reden kann, der am anderen Ender der Welt weilt oder dass man Licht aus einem Kabel holen kann. Eine anschauliche Beschreibung von dem, was Energie – ganz physikalisch-wissenschaftlich ausgedrückt – ist, findet sich bei „BINE„:

Mit Energie gehen wir täglich um. Energie wird „erzeugt“, umgewandelt, transportiert, gespeichert und „verbraucht“. Ohne Energie geht in unserem Alltag nichts. Aber wissen wir so genau, was Energie eigentlich ist?Menschen nutzen Energie in vielfältiger Weise, für warme Wohnungen und helle Räume oder den Transport und die Produktion von Gütern. Jede Aktivität ist mit dem Umsatz von Energie verbunden. Die verschiedenen Erscheinungsformen von Energie sind uns daher aus dem Alltag wohl vertraut: Die Wärme des Feuers, das Licht der Sonne, die Bewegung des Windes. Dabei kann man „Energie“ selbst nicht sehen, hören, schmecken, riechen oder fühlen. Wenn wir einen Blitz sehen oder in der Sauna schwitzen, dann erleben wir Energie. Das, was hinter diesen verschiedenen Erscheinungsformen steckt, nennen wir Energie. Aber was ist nun Energie?

Wikipedia hat dazu folgendes zu sagen:

Energie ist nötig, um einen Körper zu beschleunigen oder um ihn entgegen einer Kraft zu bewegen, um eine Substanz zu erwärmen, um ein Gas zusammenzudrücken, um elektrischen Strom fließen zu lassen oder um elektromagnetische Wellen abzustrahlen. Pflanzen, Tiere und Menschen benötigen Energie, um leben zu können. Energie benötigt man auch für den Betrieb von Computersystemen, für Telekommunikation und für jegliche wirtschaftliche Produktion.

Energie kann in verschiedenen Energieformen vorkommen. Hierzu gehören beispielsweise potentielle Energie, kinetische Energie, chemische Energie oder thermische Energie. Energie lässt sich in verschiedene Energieformen umwandeln. Dabei kann die Gesamtenergie innerhalb eines abgeschlossenen Systems aufgrund der Energieerhaltung weder vermehrt noch vermindert werden. Weiterhin setzt der zweite Hauptsatz der Thermodynamik der Umwandelbarkeit prinzipielle Grenzen, insbesondere ist thermische Energie nur eingeschränkt in andere Energieformen umwandelbar und zwischen Systemen übertragbar.

Für die Physik ist „Energie“ einer ihrer zentralen Begriffe. Physikalisch betrachtet ist Energie die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Wenn ein Auto durch einen Motor angetrieben wird, dann wird mechanische Arbeit verrichtet. Die Arbeit leistet ein Verbrennungsmotor. Im Zylinder wird ein Benzin- Luftgemisch verbrannt. Die dabei entstehenden Abgase haben ein größeres Volumen. Der Druck steigt und kann in Bewegungsenergie umgesetzt werden. Chemische Energie wird in Bewegungsenergie umgewandelt.

Das Kanji für Ki stellt ja bekanntermaßen einen Reistopf dar und ich habe hierfür zwei unterschiedliche Interpretationen gehört. Einerseits die, dass Reis in Japan die wahrscheinlich wichtigste Energiequelle für die Menschen darstellt. Andererseits zeigt das Kanji wohl einen Topf, der Reis enthält – denn Reis muss gekocht und gegart werden und dazu braucht man Energie. Diese sieht man selbst nicht – sondern nur ihr Ergebnis. Beide Interpretationen des Kanji spiegeln sich ja auch in den zitierten Texten wieder.
Sehr interessant für mich als Homöopathin ist natürlich auch der Part im Text, wo es darum geht, dass Energie auch das ist, was lebende von toten Wesen unterscheidet. Energie hält uns am Leben. Und in der Klassischen Homöopathie erzielen wir Heilung, indem wir genau diese Energie stärken indem wir dem Körper die nötige Energie zuführen. Dass Homöopathie gerne als Hokuspokus und Placeboeffekt beschrieben wird, muss ich wohl nicht extra erwähnen.
Was einerseits in Form von Strom u.a. für uns alltäglich und völlig handfest ist, ist in anderen Bereichen – die uns vielleicht nur noch nicht so geläufig, weniger erforscht oder noch nicht verständlich sind – Gegenstand von Skepsis und im wahrsten Sinne Unglaube. Ein Ausflug in die erstaunliche Welt der Quantenphysik zeigt aber: Alles bewegt sich, alles verfügt also über Energie, auch wenn auch es nur auf allerkleinster, (sub)atomarer Ebene sichtbar wird. Das ist sogar so weit bekannt, dass jeder abnickt als sei es ein alter Hut, wenn man darüber spricht, dass jede Materie, alles was für uns solide erscheint, eigentlich nur aus einem allerallerkleinsten Teil Materie aber dafür aus umsomehr Energie und Bewegung besteht. Da Energie nicht stirbt, sondern nur umgewandelt wird und ihre Erscheinungsform ändert, kann man also auch folgern, dass sie irgendwie fließen, sich verändern und „bewegen“ muss. Dass sie alles durchdringt. Das ist keine Mystifizierung, sondern reine Physik der Mittelstufe. Spricht man aber an, dass wir auch auf der Matte – wo wir uns nun wirklich deutlich bewegen – mit Energie arbeiten und diese erfahren können, sie vielleicht sogar nutzen und fließen lassen können, dann sind viele kurz davor, die Psychopharmaka zu zücken. Komisch.
Ich glaube Ki ist beides: Handfester als man denkt und trotzdem auch grundlegender und mystischer als vermutet. Je nachdem wie man sich damit beschäftigt. Auch das wird in der Quantenphysik deutlich, wo in manchen Bereichen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Spiritualität fließend sind.

Winners and Losers

Gestern im Training kam mir ein Gedanke, den ich noch heute mit mir rumtrage. Als letzte Übung gab es Suwari Waza Kokyo Ho Jorma Style, eine Übung die nicht allen, die im Training anwesend waren, geläufig ist. Ich wies darauf hin, dass Uke bei dieser Übung immer mit dem Zentrum im Kontakt anwesend sein muss, um jederzeit durch eine Tür gehen zu können, wenn sie offen sein sollte (oder mit anderen Worten: die Führung zu übernehmen bzw. eine Kontertechnik machen zu können). Gleichzeitig geht es aber nicht darum zu kämpfen, also die Tür nicht einrennen zu wollen, sondern sich quasi leicht anzulehnen um zu spüren, ob sie auf ist oder nicht. Der Grat zwischen beidem ist schmal, wie ich finde, aber entscheidend. Um nicht zu kämpfen, muss man aufhören, gewinnen zu wollen. Und gewinnen wollen wir üblicherweise, weil wir Angst vor dem Verlieren haben. Wie mit Licht und Schatten ist es auch mit dem Gewinnen und Verlieren – das eine existiert nur vor dem Hintergrund des anderen. Will ich den einen Pol überwinden, muss ich das gleiche mit dem anderen tun.

Ich würde sagen, dass ich den überwiegenden Teil der Erfahrungen die ich jeden Tag mache – egal ob auf der Matte, bei der Arbeit oder im Straßenverkehr – augenblicklich einteile in „gut“ oder „schlecht“. Ich bewerte, meist vor meinem eigenen Erfahrungshorizont, was mir und um mich herum geschieht. Das Schlüsselwort hier ist meines Erachtens das Wort „mein“ Erfahrungshintergrund. Meine Bewertung basiert immer darauf, ob das was geschieht nun für mein Ego von Vorteil ist oder von Nachteil. Ob ich etwas gewinne oder verliere. Also letztendlich ob ich ein Loser bin oder ein Winner.

Wenn es möglich wäre, dieses Bewerten und Urteilen zu stoppen, Gewinnen nicht mehr als etwas erstrebenswertes anzusehen und Verlieren nicht länger als Bedrohlich zu betrachten, dann könnte ich im Augenblick anwesend sein und einfach nur beobachten. Alles eben sein lassen. Mal wieder. Irgendwie läuft immer wieder alles darauf hinaus.

Gölle

Letztes Wochenende war ich zum ersten Mal im Dojo Forum Kishintai von Jörg Kretzschmar in Köln, wo Jorma einen Wochenendlehrgang abhielt. Selten hat man in Deutschland das Vergnügen, in einem Dojo zu üben, das extra für Aikido als Dojo gebaut wurde. Das Dojo dort ist hell, modern und sehr schön eingerichtet, mit einer schönen Glasfront zu einem hübschen Hinterhof in Kölns Altstadt hinaus. Mit dem Fotografieren sollte man sich trotzdem zurückhalten, es sei denn man steht drauf, wenn die eigenen Personalien von einem netten Beamten in grün festgestellt und überprüft werden – wie in Robbys Fall. Was aber nicht am Dojo, sondern vielmehr an der direkt daneben liegenden Synagoge und eventuellen Terroranschlägen liegt.

Wie ich schon Anna schrieb (*wink*) bin ich noch immer am überlegen, was genau mein Fazit des Wochenendes ist. Es war dieses Mal weniger ein großes Ding oder Hauptthema, das ich mitnehme, als vielmehr viele kleines Dinge.

1. Schwer werden hat nichts mit steif werden zu tun :-) (Danke Anna)

2. Nicht den Punkt bewegen, der festgehalten wird, sondern immer das,  was *nicht* fixiert wird (Danke Jörg)

3.  Als Uke bei Ikkyo auf den Abstand achten und auf dem äußeren Bein stehen (Danke Britta)

4. Bei Tenchi nage mehr nach unten und weniger in den Raum werfen. Beim Angriff (z.B. Gyaku hanmi) kommt der Druck nicht nur aus der vorderen Hüfte, sondern auch aus der hinteren. Es ist die Andeutung dessen, dass man als Uke jederzeit bereit ist, einzutreten wenn Nage die Mittellinie nicht schützt/schließt. Dadurch kommt dann auch das „Gummizellenphänomen“ schön deutlich zum Tragen, was viiiieeeel Spaß macht :-) (Danke Peter für beides)

5. Der Tai sabaki den Nage beim Ausweichen z.B. gegen Yokomen uchi macht, ist vom Bewegungsablauf her quasi gleich zu dem, den Uke macht, was das „Herumgucken“ um die Achse angeht (ja ich weiß, schwer zu kapieren was ich meine, sorry).

Das sind schon mal ein paar Details, die ich im Kopf behalten möchte und einiges davon konnte ich gleich gestern Abend bei Martin im Training umsetzen – es ist witzig wie Martin manchmal genau die Sachen aufzugreifen scheint, die mir im Kopf rumgehen…

Nebenbei gab es am Wochenende noch eine kleine Party zum 7jährigen Dojobestehen, nette Gespräche mit netten Menschen und neue Gesichter, die ich kennenlernen durfte. Unsere Reisegruppe in Sachen Lehrgängen ist langsam eine wirklich geübte Gruppe (Robby, Nathalie, Carola, Norman) mit der man gerne unterwegs ist und ich glaube wir fühlen uns alle mittlerweile wirklich zu Hause im Schweden-Milieu.

Was aber noch wichtig war am Wochende ist folgendes: Jorma wird im kommenden Mai vom 7. bis 9. zum ersten Mal einen Wochenendlehrgang hier halten! Der Termin darf also schon mal im Kalender eingetragen werden :-)

Doggy bag

Es ziept und zieht in meinen Muskeln in Hintern und Oberschenkeln und der Muskelkater miaut fröhlich vor sich hin- mein Mitbringsel aus Frankfurt vom letzten Wochenende. Drei mal 2h Training bei Jan, eine nette Gruppe von Stuttgartern (Christian zähle ich da jetzt mal großzügig dazu :-) ) und ein schönes Wiedersehen mit Freunden, die ich das letzte Mal in Lillsved gesehen hatte. Hört sich nach ner Menge Spaß an? You are damn right. :-)

Was Jan in Herrenberg angefangen hatte, führte er in Frankfurt weiter. Wir haben uns in allen Details und Ebenen den Angriff Yokomen uchi angesehen und geübt wie der Schlag ausgeführt wird, die Füße gesetzt werden, die Bewegung nach der Aufnahme durch Nage, etc. Und einmal mehr beschlich mich das dezente Gefühl noch nie einen *wirklich* guten Yokomen uchi abgeliefert zu haben. Ein paar Sachen haben sich jetzt (hoffentlich) in mein Gedächtnis eingebrannt: Hüfte nicht raus nehmen, die schlagende Hand ansehen, mit dem vorderen und nicht mit dem hinteren Bein reagieren/korrigieren, nicht überdrehen, die Achse halten, und vielleicht am allerwichtigsten und auch am bildhaftesten: den Körper hinter das eigene Schwert bringen. Das ist an sich wenn man es hört ja total logisch und in der Rolle von Nage zum Beispiel auch etwas, was von Martin kommen könnte. Aber wie essentiell das für die Rolle von Uke ist, das ist mir erst an diesem Wochenende klar geworden. Dieses Bild des Schwertes ist wirklich extrem hilfreich, überall einsetzbar und macht auch die martialische Seite des Aikido und der Rolle von Uke sehr gut sichtbar.

Abgesehen von diesen Sachen nehme ich mit: Der Hebel/Wurf von Shiho nage macht am meisten Spaß und wird schön locker und weich, wenn man einen Knopf auf Ukes Schulter drückt :-) , ich muss meinen Arm bei Shiho Nage noch viel mehr entspannen, als Uke bei Ikkyo muss man mit dem geführten Arm die eigene Mittellinie schützen, außerdem muss ich bei Ikkyo meine Schulter mehr entspannen (danke, Britta :-) ), ich will mehr darauf achten vor dem Fallen meine Achse zu finden und nicht zu früh in den Wurf zu gehen und überhaupt natürlich: „always fall from your best position“. Außerdem gab es wieder schöne Übungen zum „Ankern“.

Ich habe also wie Anna es ausdrückte „ein hübsches kleines Päckchen“ mitgenommen vom Wochenende, frei nach dem Motto „Ja danke, war echt lecker, würden sie mir das was ich nicht geschafft habe bitte einpacken zum Mitnehmen?“. Am Dienstag Abend bei Martin werde ich dann mit dem Auspacken und Aufessen anfangen :-)

Survival of the fittest

Eigentlich wollte ich dazu ja hier im Blog gar keine Stellung nehmen, weil es hier um Aikido und nicht um Politik geht. Aber irgendwie geht es bei Politik vielleicht doch auch in gewisser Weise um Aikido – oder umgekehrt – und zudem habe ich heute morgen in den Nachrichten wieder einen Kommentar gehört, der mich dazu brachte, diesen Eintrag heute doch zu schreiben.

Es ging noch immer um das Kanzlerkandidaten-Duell vom letzten Sonntag und die Bemerkung war „Naja, weh getan haben sich die beiden ja nicht gerade. Schade.“

Ich bin kein sehr politischer Mensch. Ich habe keine Tageszeitung abonniert, kenne die Wahlprogramme der Parteien gerade mal so halbwegs in den Punkten die mich persönlich interessieren (und auch auch da nur lückenhaft, muss ich gestehen) und die Namen und Gesichter der Politiker sind mir zu einem großen Teil unbekannt. Trotzdem mache ich brav von meinem Wahlrecht Gebrauch und damit ich mein Kreuz nicht absolut ins Blaue hinein setze und so vielleicht verschenke, schaue ich mir Sachen wie eben das „TV-Duell“ an.

Der Name sollte Programm sein. War er aber nicht. Und deshalb war das, was die meisten Befragten hinterher als erstes über diese Veranstaltung zu sagen hatten in den allermeisten Fällen soetwas wie „Ooooch, schaaaade, die haben sich ja gar nicht gegenseitig auf die Mütze gehauen.“ Ich meinerseits hatte mir die Chose angesehen und dachte zwischendurch immer mal wieder erfreut „Hey, das ist ja echt sachlich. Die haben Respekt voreinander und ziehen ihre Argumente zur Abwechslung mal nicht ausschließlich daraus, was der jeweils andere verbockt hat.“ Merkel und Steinmeier schienen mir wie zwei Menschen, die durch die Arbeit miteinander – trotz unterschiedlicher Standpunkte in einigen Themen – Respekt voreinander zu haben schienen und besonders Frau Merkel ließ sich vor allem von den Fragen am Anfang nicht dazu bringen, emotional zu werden und rumzupöbeln. Nun gut, man kann mir an dieser Stelle meine Harmoniesüchtigkeit vorwerfen. Ich mag einfach keinen Streit, das stimmt. Aber es war nun auch nicht gerade so, dass die beiden sich gegenseitig Zucker in den Hintern geblasen haben. Unterschiede in den Zielen wurden dargestellt und wären noch deutlicher geworden, wenn die Fragesteller nicht ständig versucht hätten, beide mit ihren Fragen dazu zu bringen, die Fassung zu verlieren, sich die Blöße zu geben oder sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Was sie alles meines Erachtens nicht taten.

Umso erstaunter war ich hinterher angesichts der allgemeinen Enttäuschung der Nation über die Freundlichkeit und Kooperation der beiden Kandidaten. Es schien mir ein bisschen so, als hätte ein Großteil der Zuschauer vorrangig deshalb das Duell angesehen, weil die Chance auf ein bisschen dreckige Wäsche, auf Sensationen und hitzige Emotionen bestand. Und diejenigen, die mal nicht die Harmonie zwischen den beiden Kandidaten rügten, sprachen ausnahmslos davon, dass entweder Merkel oder eben Steinmeier ja nun absolut  sonnenklar Sieger des Duells seien. Das hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Ist alles, was uns an dieser Veranstaltung interessiert ein Kampf mit der Frage wer der Sieger ist? Alle Welt beschwert sich darüber, dass Politiker mit Allgemeinplätzen auf Stimmenfang gehen, dass Politker sowieso alle Lügner und Polemiker sind und keiner von dieser Baggage eine ehrliche Haut ist. Wir wünschen uns als Politiker Menschen die ehrlich sind, die wir sympatisch finden, bei denen wir uns gut aufgehoben fühlen und die einen gesunden Menschenverstand und am besten noch soziale Kompetenz zeigen. Aber wenn mal zwei versuchen, sich zumindest ansatzweise so zu verhalten, werden sie von der öffentlichen Meinung abgestraft. Um eine Schlammschlacht zu bekommen wie sie nach BILD und anderer Meinung anscheinend ersehnt gewesen wäre, bräuchten wir dafür Menschen, die sich an den Fehlern anderer weiden, die sich selbst schönreden, die ein aufgeblasenes Ego haben und über Leichen gehen. Aber mal ehrlich – ich möchte mein Land genau *nicht* von solchen Menschen regiert sehen.

Kampf, Sieg und Überlegenheit sind ohne Frage evolutionsgeschichtlich ein wichtiger Teil der Menschheit. Das Überleben des Stärkeren. Dieser Teil steckt in uns allen sehr tief und ist sicher auch eine Art Instinkt, der nicht geleugnet werden darf. Und gerade was Politik angeht ist Kontroverse wichtig und Auseinandersetzung das, was zu Weiterentwicklung und Verbesserung führt. Aber wir leben nicht mehr in Höhlen und unser Intellekt hat sich so weit entwickelt, dass wir uns doch fragen müssen, wann ein Kampf wirklich angebracht ist und wenn ja, in welcher Form; ob ein Kampf immer das Ziel haben muss, dass es einen Unterlegen gibt; und dass der augenscheinlich „Stärkere“ nicht immer der ist, der mit schärferen Waffen kämpft und lauter schreit. Es scheint mir, als würde es in unserer Gesellschaft nur selten belohnt, wenn Menschen sich nicht auf Kämpfe einlassen (und damit meine ich nicht wegzulaufen, sondern die Absicht, Auseinandersetzungen eben anders lösen zu wollen und in gewisser Weise „das richige“ tun zu wollen). Letztendlich hat das TV-Duell also doch auch irgendwie mit Aikido zu tun, denn meinem Verständnis nach tun wir auf der Matte genau das.

Alles nur geklaut

Gerade eben öffne ich meinen Facebook-Account und sehe ganz oben auf meiner Pinwand einen Link von Yoram aus Israel zu einem Clip bei Youtube. Es ist ein Clip von Endo Sensei. Das alleine wäre Grund genug, den Link auch hier reinzustellen, aber es ist kein gewöhnlicher Clip, oh nein. Es sind die Bloopers vom Dreh von Endo Sensei´s DVD (wenn ich mich recht erinnere, habe ich sie da schon mal gesehen, könnte aber auch andere sein, nagelt mich nicht drauf fest). Als ich die DVD zum ersten Mal sah, dachte ich noch, dass das einfach sensationell ist – Outtakes auf einer Aikido-DVD. Dass es das jetzt auch auf Youtube gibt macht es einfacher, dieses Juwel zu teilen. Also alle Mann rüber zum Clip und lachen – Endo Sensei hat Humor :-)

Samstagbilder

Christian hat bereits die Fotos die Bernd Kohler (Heidenheim) und Anja Schröter (Clausthal) beim Ukemi-Workshop vergangenen Samstag gemacht haben online gestellt. Danke allen drei dafür!

PS: Nein, es war nicht meine Idee, die Leute mit ihren Aikido-Pässen im Mund üben zu lassen! ;-P

Ich möchte euch heute einen Link zu einem Blog ans Herz legen, den ich seit ein paar Wochen verfolge: A Blueberry among Sabras. Es ist der Blog von Johanna aus Schweden, die mittlerweie in Israel lebt und (natürlich) Aikido macht. Der heutige Eintrag (The quest for the point of no resistance) hat es mir noch mehr angetan als schon die davor, denn er fasst ganz toll in Worte, was auch mir oft im Kopf rumgeht. Es beginnt mit einem Zitat von Lisa, das für sich alleine schon Poetry in Motion für mich ist. Und Johanna führt das ganze dann prima weiter. Also lest es euch durch, auch wenn euer Englisch vielleicht rudimentär sein sollte – es lohnt sich. Danke an Johanna für die Erlaubnis, das ganze hier zu verlinken.

Obviously

Dass ich manchmal Geistesblitze habe, die andere schon nach 3 Wochen Aikido-Training haben, ist eine Tatsche, die ich hier ja schon öfter erwähnt habe. Trotzdem fühlt es sich für mich dann immer an, als hätte ich gerade das Rad erfunden. Oder zumindest die Flüssigseife. :-)

Meine Erkenntnis von gestern: Egal mit wem man übt (also: egal wie beweglich oder steif, wie kooperativ oder blockierend, wie alt oder jung, wie schnell oder langsam, etc.) der Trainingspartner ist – man kann immer am eigenen Ukemi und Uke-Verhalten arbeiten. Und da ich als Uke ja genau das versuche zu tun, was ich als Tori streng genommen auch anstrebe (gute Positione finden, an den richtigen Stellen der Technik beweglich oder kompakt/schwer/stabil sein, Kontakt suchen und geben), lerne ich so also immer etwas dazu. Das ist doch offensichtlich sagt ihr? Stimmt genau. Und eben dann doch manchmal auch wieder nicht. Man wird so leicht dazu verleitet, immer nur über die eigene Rolle als Tori nachzudenken und auch eine Art „Konsum-Denken“ zu entwickeln. So wie im Supermarkt lässt man sich selbst oft suggerieren, dass man unbedingt die Sachen haben will, die die größten und leuchtendsten Plakate haben und die billigsten Preise. Wenn man aber ein bisschen sucht, dann findet man manchmal Produkte, die vielleicht weniger laut um Käufer buhlen und trotzdem sehr lecker sein können (off topic aber trotzdem passend hier mein Tip: Vivani Schokolade Limone-Joghurt ;-P).

Aber mir geht es hier weniger darum, dass man auch mit Leuten üben sollte, die zurückhaltend sind, vielleicht nicht zu den Überfliegern zählen oder körperliche Handicaps haben, sondern eher um Trainingspartner, die eben nicht kooperieren, die steif sind, sich nicht bewegen lassen (wollen?) oder die keinerlei Kontakt herstellen. Man ist dann schnell dabei, frustriert zu sein weil man denkt, man könne gar nicht „richtig üben“. Aber wie oben beschrieben geht das eben doch. Denn als Uke wird man eigentlich nie blockiert :-) Hehe.

Immer interessanter wird es für mich auch, als Uke nach Öffnungen zu suchen (auch wenn ich diese in der Regel nicht nutze). Je besser mein Kontakt wird, desto öfter fallen mir solche Öffnungen tatsächlich auf, wo ich komplett ohne Kraft und ohne blockieren des Flusses in eine Kontertechnik gehen könnte. Ich denke, das ist ein super Hilfsmittel zum Lernen, das viel über die Seite des Tori lehrt ohne dass man selbst gerade die Rolle des Tori ausfüllt.

Reduziert

Zwei Tage nach der Heimkehr von Schweden wirken die Eindrücke immernoch mächtig nach. Noch oft werde ich meine Notizen durchlesen um mir Dinge wieder ins Gedächtnis zu rufen. Am letzten Abend und auf der Heimreise habe ich mit vielen Leuten darüber gesprochen, was denn ihr „Aha-Erlebnis“ der Woche war. Die Antworten waren sehr unterschiedlich und doch gingen sie meist etwa in die gleiche Richtung.

Um es zusammen zu fassen: Was waren meine Aha-Erlebnisse bzw was steht für mein Üben in nächster Zeit für mich im Vordergrund?

1. Der Anker. Das was Jan als „Anker“ beschrieb hat bei mir zu einer ganz neuen Wahrnehmung meines eigenen Körpers und meiner eigenen Mitte beim Üben als Tori aber auch als Uke geführt. Man wird dadurch schwer aber nicht unbeweglich, man sammelt alles in seiner Mitte und man wird dadurch richtig schön kompakt. Und irgendwie auch ruhig. Schwer zu beschreiben, wie sich das für mich anfühlt. Jedenfalls ist das Tolle daran auch, dass man das – egal wo und wann und mit wem man gerade übt – immer üben kann. Denn es geht ja dabei nicht um den Partner sondern nur um einen selbst.

2. Ein wirklich krasses Erlebnis auf der Matte (es ist zu schwierig die Übung um die es ging zu beschreiben, deshalb lasse ich das jetzt mal weg) demonstrierte mir sehr eindrucksvoll, wie wichtig die innere Haltung ist und was in einem selbst passieren kann bzw. muss. Und auch welche Auswirkung das auf Uke hat. Wir konzentrieren uns so oft nur auf das, was bei Uke passiert und auf einen bestimmten Effekt, den wir beim Angreifer bewirken wollen, dabei passiert schon so viel, wenn man erst mal bei sich selbst bleibt und ohne Intention einen Kontakt herstellt.

3. Die Geometrie die Jorma immer wieder mit seiner Ellbogen-Sache zeigte ist extrem hilfreich und kann an allen Ecken und Enden in den Techniken gefunden werden. Danach werde ich weitersuchen.

4. Jans Mobilität bzw Fußarbeit die er vor allem beim Schwert-Training oft zeigte, erlaubt es, das Zentrum schwingen zu lassen, zwischen schwer und leicht, schnell und langsam zu wechseln und eben nicht unbeweglich zu sein obwohl man völlig ehrlich angreift. Ein bisschen hat mich das an Jean-Luc Subileau erinnert wenn er mit dem Bokken shomen uchi angreift.

Das sind also die groben Dinge, reduziert auf das Konzentrat. Der Rest kommt später.

Und was natürlich auch noch lange im Gedächtnis bleiben wird, sind die netten Menschen aus aller Welt die dort zusammenkommen und eine ideale Atmosphäre zum Üben und Wachsen entstehen lassen. Nicht zuletzt aufgrund dieser drei Lehrer, die uns eine Woche lang so viel gegeben haben.

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